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Frau PD Dr. med. Sybille Spieker
Fachärztin für Neurologie, Zusatzbezeichnung klinische Geriatrie der Neurologie

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Allgemeines

Ganglien(Synovialzysten) sind unter der Haut gelegene, gekammerte Pseudotumore, die meist eine Verbindung zu einem Gelenk oder einer Sehnenscheide aufweisen. Der Inhalt der Zysten besteht aus Synovialflüssigkeit. Ganglien können sich - je nach den Druckverhältnissen im Gelenk - vergrößern und dann durch die raumfordernde Wirkung Nachbarstrukturen (z.B. Nerven oder Gefäße) komprimieren. Der betroffene Nerv weist dann wie bei einem Entrapmentsyndrom eine Abflachung mit proximaler Kongestion und Echotexturstörung auf. Allerdings sollte die Diagnose nie isoliert durch die Sonomorphologie gestellt werden, sondern nur in Zusammenschau von Klinik und neurophysiologischer Untersuchung (viele Ganglien sind Zufallsbefunde ohne klinische Relevanz).

 Sonografische Charakteristika:

  • Echoarme, glatt begrenzte, manchmal gekammerte Zyste
  • Bei sorgfältiger Untersuchung Verbindung zu einem Gelenk darstellbar
  • Keine Vaskularisation
  • Dorsale Schallverstärkung 

Eine Sonderform stellt das intraneurale Nervenscheidenganglion dar. Lange Zeit war die Pathogenese dieser Entität unverstanden. Die Aufklärung und die Etablierung einer wirksamen Therapie ist vor allem Robert SPINNER (Mayo Clinic, Rochester, Minnesota) zu verdanken. Nach seiner Theorie entwickeln sich intraneurale Nervenscheidenganglien hauptsächlich am N. peronaeus und N. tibialis. Beide Nerven besitzen einen Ast (articular branch), der das Tibiofibulargelenk versorgt. Durch degenerative Veränderungen in diesem Gelenk gelangt Synovialflüssigkeit in den Gelenkast des N. peronaeus oder (seltener) des N. tibialis. Dabei entsteht unter dem Epineurium eine Dissektion, die sich retrograd bis zum N. ischiadicus vorarbeiten kann. Je nach den herrschenden Druckverhältnissen ist auch eine retrograde Ausbreitung auf den N. tibialis (vom N. peronaeus communis) oder umgekehrt möglich [1], [Externer Videolink zur Pathogenese intraneuraler Ganglienzysten]. Die Häufigkeit solcher intraneuraler Nervenscheidenganglien soll am N. peronaeus bei nichttraumatischen Läsionen 18% betragen [2]. Typischwerweise erleiden die betroffenen Individuen eine schmerzhafte, langsam progrediente Peronaeusparese durch die Druckläsion. Die Diagnosestellung ist mittels HR-Sonografie [2] oder hochauflösender (3T) Kernspintomografie möglich. Entsprechend der o.g. Pathogenese besteht die Therapie immer aus folgenden Schritten: Teilresektion des oberen Tibiofibulargelenkes (Ausschaltung der Quelle), Dekompression des intraneuralen Nervenscheidenganglions durch Miniinzision (schonender als die intraneurale Dissektion) und Durchtrennung des Gelenkastes (weitere Speisung mit Synovia unmöglich) [1] [Externer Videolink zur Therapie intraneuraler Ganglienzysten].

 Sonografische Charakteristika:

  • Echoarme, glatt begrenzte, häufig langstreckige perlschnurartige Zyste entlang des N. peronaeus oder (seltener) des N. tibialis, die durch das Epineurium bedeckt wird
  • Nervenfaszikel verlaufen in der Zyste entlang (zentral oder am Rand)
  • Bei sorgfältiger Untersuchung Verbindung zum Tibiofibulargelenk darstellbar
  • Keine Vaskularisation

[1] Spinner RJ et al., Peroneal and Tibial Intraneural Ganglion Cysts in the Knee Region: A Technical Note. Neurosurgery 2010(67);3:71-78

[2] Visser LH, High-resolution sonography of the common peroneal nerve: Detection of intraneural ganglia. Neurology 2006(67);8, 1473-1475