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Samstag, 12. Januar 2019 00:00 Alter: 248 Tag(e)

Kinoreife Vorlesung: Medizinstudenten lernen von und mit Dr. House


Prof. Mang inmitten seines Auditoriums: Vor ihm (nicht zu sehen) die per Video zugeschalteten Studenten, um ihn herum die Dessauer Studenten und Interessierte aus dem SKD sowie eine Reporterin des MDR.

Lernen vor der Mattscheibe, das traf auf die Studenten der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB), von denen sieben ihre klinische Studienzeit am Städtischen Klinikum Dessau absolvieren, im doppelten Wortsinn zu: Der Unterricht und Kontakt zu den Dozenten der anderen Lehrkrankenhäuser laufen ohnehin als sogenanntes „E-Learning“ weitgehend über  Videokonferenzen. Damit nicht genug: Am Montag lief in der umgebauten Bibliothek im Haus 6  die erste Dr. House-Vorlesung, die zeitgleich nach Lauchhammer, Bad Saarow, Brandenburg, Potsdam, Rüdersdorf und Neuruppin, wo weitere Studenten der MHB saßen, übertragen wurde. Die Studenten selbst hatten den Pharmakologen und Fan des zynischen TV-Arztes Prof. Dr. med. Christian Mang von der Uni Münster für den Abend gewinnen können. Anhand einer TV-Folge erörterten sie unter der Moderation des Dozenten das diagnostische Vorgehen und Behandlungskonzept des TV-Ärzteteams.

Von der US-Serie "Dr. House" wurde zwischen 2004 und  2012 fast 180 Folgen gedreht. Dabei geht es um einen höchst eigenwilligen, aber brillanten Mediziner, der als Leiter einer Abteilung für Diagnostische Medizin immer wieder vor schwierige Fragen gestellt wird, die er oft auf unkonventionelle Weise löst. Bereits 2005 hat Prof. Mang den TV-Arzt für seinen Unterricht entdeckt und genutzt: „Das ist ja eine Fallvorstellung de luxe. Komplizierte Erkrankungen werden filmisch dargestellt. Dadurch hat man einen Bezug als hätte man Patienten bildlich gesehen - eine ideale Möglichkeit, über seltene Krankheiten zu lernen.“ Unterhaltsam dazu. Immer wieder stoppte Mang, das Video, um die Studenten teilweise im Städte-Battle bei medizinischen Fragen rund um den TV-Fall gegeneinander antreten zu lassen. „Ich war nie ein Fan von Auswendiglernen. Ich möchte Neugierde und Logik wecken und bin fest davon überzeugt, dass derart erworbenes Wissen besser haften bleibt“, beschreibt Prof. Mang sein didaktisches Konzept.

Das auch in Dessau aufging: Die Studenten knieten sich in den kniffeligen Fall hinein, und vergaßen ganz, dass sie bereits einen langen Tag hinter sich hatten. Was auch an der unterhaltsamen, direkten Art des Professors lag, der sich übrigens als Fan des MHB-Studienkonzepts mit dem hohen und frühen Praxisanteil in den Krankenhäusern outete. „Hätte mich der Modellstudiengang nicht besonders interessiert, wäre ich nicht nach Dessau gekommen.“ Sein Fazit am Ende der ungewöhnlichen Unterrichtsstunde: „Für mich liegt der tiefere Sinn der Serie darin, zweimal hinzuschauen.“ Das Resümee der Studenten brachte Patrick Timm auf den Punkt: „Anregend und amüsant zugleich. Der kann jederzeit wiederkommen.“