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Klinikum probte am Samstagmorgen den Ernstfall
In den Betten wird gekichert und geschnattert. Sieht so der Ernstfall aus? Hat man sich derart viel zu erzählen, wenn man doch von einer Kettensäge verletzt wurde? Man darf an diesem Samstag in aller Frühe quatschen. Denn fast 50 Jugendliche der Krankenpflegeschule des Klinikums sind an diesem Tag zwar Patienten, aber nur zum Schein. In aller Frühe mussten sie sich im Klinikum einfinden und in der Endoskopie-Abteilung ihre Plätze auf Krankenbetten oder auf Stühlen einnehmen.
Organisiert hat dies alles Wolfgang Stechert. Der Sicherheitsingenieur des Städtischen Klinikums hat gemeinsam mit nur ganz wenigen Eingeweihten den 19. September als Tag für eine Übung auserkoren. Für 7.30 Uhr hat er die Krankenpflegeschüler ins Klinikum bestellt, angeblich, um den jungen Leuten die neue Generation eines Patientenbettes vorzuführen. Erst im Klinikum erfahren die Jugendlichen den wahren Grund des frühen Stelldicheins, und kaum haben sie ihre Plätze eingenommen, da drückt Wolfgang Stechert auch schon den Alarmknopf. Es ist 7.43 Uhr und im Städtischen Klinikum brennt es.
Fünf Minuten brauchen die Männer der Berufsfeuerwehr, um vor Ort zu sein. Später erzählen sie, dass sie gerade beim Frühstück saßen. „Es gibt ja nicht umsonst das Kinderbuch ,Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt`“, lacht einer der Männer. Ein wenig erleichtert sind sie, als sie am Klinikum ankommen und erst hier bemerken, dass es sich um eine Übung handelt. Leichter mach diese Erkenntnis die nun folgenden Stunden jedoch nicht, denn auch wenn nur geprobt wird, geschieht dies doch mit größter Ernsthaftigkeit. Und das Feuer, das im Klinikum simuliert wird, ist ein großes, 46 Menschen müssen evakuiert werden. Als 7.52 Uhr die Lage vor Ort erkundet ist, löst die Feuerwehr Vollalarm aus. Alle Freiwilligen Feuerwehren südlich der Elbe müssen zu den Kameraden der Berufsfeuerwehr dazu stoßen.
Der frühe Samstagmorgen am Zoberberg wird daraufhin lauter. Mit Sirenengeheul und Blaulicht trifft eine Feuerwehr nach der anderen ein, Rettungswagen gesellen sich dazu. Feuerwehrleute mit Atemschutz kämpfen sich durch die Flure zur Endoskopie, transportieren die ersten Schein-Patienten auf Tragen aus dem Haus. Vor der Tür sind Zelte aufgebaut. Dr. Joachim Zagrodnick beugte sich über jeden einzelnen Kranken. Eigentlich wollte der Ärztliche Direktor zur Eröffnung des Tumortages ins Steigenberger-Hotel. Dort muss man nun ohne ihn auskommen, die Übung eines Ernstfalles geht vor.
In ihrem Büro sitzt Christine Küenle und versucht Chefarzt Dr. Schön anzurufen. Er soll zum Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“ kommen und dort die evakuierten Patienten betreuen. Sofort macht er sich auf den Weg. 9.28 Uhr werden die ersten Verletzten verlegt, der letzte Transport ins Berufsschulzentrum startet 40 Minuten später. 10.10 Uhr ist die Übung beendet.
„Es war eine gute Übung, wir haben viel gelernt“, bilanziert danach Wolfgang Stechert. „Es gab Ecken und Kanten, doch das habe ich erwartet“, so der Sicherheitsingenieur. Er nennt einige Schwachstellen. Da gab es beispielsweise einen Zahlendreher in einer Telefonnummer, bei der Stadtverwaltung war niemand zu erreichen, die Kommunikation innerhalb des Klinikums wies Schwierigkeiten auf und schließlich hatten die Einsatzkräfte enorme Orientierungsprobleme im Haus. „Denen hilft es nicht weiter, wenn man ihnen sagt, dass sie zur Endoskopie gehen sollen“, sagt Stechert. Basierend auf den Erkenntnissen der Übung wird er nun die Alarm- und Einsatzpläne aktualisieren.
Insgesamt kamen bei der Übung 175 Personen zum Einsatz, 66 aus dem Klinikum, der Rest gehörte zu Feuerwehr, Rettungskräften und Polizei, allein 68 Feuerwehrleute kamen zum Einsatz, unter ihnen auch Feuerwehrchef Roland Schneider, der seine Leute hin und wieder zur Eile trieb, grundsätzlich aber auch eine erfolgreiche Übung bilanzierte.




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