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Freitag, 25. Juli 2008 00:02 Alter: 4 Monat(e)

Ausstellung "Zerrissen - Kinder als Opfer häuslicher Gewalt" im Klinikum


"Zerrissen- Kinder als Opfer häuslicher Gewalt" heisst eine Ausstellung, die derzeit im Foyer des Städtischen Klinikums Dessau zu sehen ist. Bis Ende Juli haben damit Mitarbeiter des Krankenhauses, Patienten und Besucher Gelegenheit, sich über ein überaus sensibles Thema zu informieren, das für Polizei und Opferberatungsstellen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung unterstrich dies Wolfgang Berger, Leiter des Polizeireviers Dessau-Rosslau mit Zahlen. 2007 gab es 231 Anzeigen zu häuslicher Gewalt, in diesem Jahr wurden bereits 139 gezählt. Der Trend geht nach oben, und es gibt eine hohe Dunkelziffer", sagte Berger. Umso hilfreicher sei deshalb die Ausstellung. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Sozialministeriums des Landes, des Landeskriminalamtes und der Liko (Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt). Als Wanderausstellung konzipiert, sind die Tafeln in mehreren Städten Sachen-Anhalts zu sehen. Das Städtische Klinikum Dessau erklärte sich ohne Zögern dazu bereit, Ausstellungsfläche dafür zur Verfügung zu stellen.

"Wir freuen uns, dass wir hier die grosse Zahl an Hilfsangeboten vorstellen können", sagte Polizeioberkommissarin Susanne Stamm, die auch während der Ausstellungszeit an den Nachmittagen als Gesprächspartnerin zur Verfügung steht. Hilfestellung wolle man geben, Öffentlichkeit erzeugen, brachte sie zum Ausdruck. Das Klinikum sei dafür ein geeigneter Ort, denn "hier finden sich mit Sicherheit auch Patienten, die Opfer häuslicher Gewalt sind".

Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile, die sich mit Information, Intervention und Prävention beschäftigen. Im ersten Teil liest man grundsätzliche Fakten zu häuslicher Gewalt, die sich in verschiedenen Formen ausdrücken kann. Da ist nicht nur die Rede von Schlägen und Prügel sondern auch von Gewalt, die psychisch, finanziell und sexuell ausgeübt wird. Eindrucksvoll vor allem sind die Schilderungen von Betroffenen, die deutlich machen, wie sich aus normalen Situationen extreme Verhaltensweisen entwickeln, wie Angst und Einschüchterung dafür sorgen, dass die Opfer sich scheuen, Hilfe zu suchen.

Wo diese Hilfe zu finden ist, schildert der Interventionsteil der Schau, und in den Tafeln zur Prävention werden Wege aufgezeigt, wie sich bereits frühzeitig erkennen lässt, ob problematische Beziehungen bestehen. Im Zentrum der Schau stehen immer wieder Kinder, die, so Susanne Stamm, "Gewalt erfahren und erleben". "Sie sind die Schwächsten, auf die sich alle stürzen. Wir haben den Auftrag, sie zu schützen", mahnte Gabriele Süssmilch, Verwaltungsdirektorin des Klinikums. Vor allem Lehrern und Kindergärtnern empfiehlt sie diese Ausstellung aber auch den Mitarbeitern des Klinikums, sind sie es doch oft, die die Spuren häuslicher Gewalt erkennen und deuten müssen. Dr. Sybille Spieker, amtierende Chefärztin der Kinderklinik, zeigte sich denn auch dankbar über das Informationsmaterial und die Gesprächsangebote.

Im Rahmen der Ausstellung wird am 28. Juli, 15 Uhr, in die Cafeteria des Klinikum zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Vor Ort werden dann Mitarbeiter der Polizei und der verschiedenen Beratungsstellen sein. Gesonderte Termine können Betroffene auch unter der Telefonnummer 0340/6 00 05 54 vereinbaren.