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Tuesday, 25. October 2011 13:32 Alter: 205 Tag(e)

Ein Vormittag rund um das Gehirn


Über das Berlin Brain Computer Interface wird eine Anlage gesteuert. Die Forschergruppe von der TU Berlin entwickelte das außergewöhnliche Experiment an den Schnittstellen von Hirn und Maschine. Foto: TU/Dahl

Aus medizinischer Sicht bietet das erste Novemberwochenende in Dessau-Roßlau eine informative Veranstaltung des Städtischen Klinikums an, die sich sowohl an Fachleute als auch an Interessierte richten. Die Klinik für Neurologie am Städtischen Klinikum Dessau veranstaltet unter der Leitung von Chefärztin PD Dr. Sybille Spieker am 5. November von 9.45 bis 13 Uhr in der Bauhausaula einen neurophilosophischen Morgen mit Vorlesungen unter dem großen Thema „Gehirn, Bewusstsein und freier Wille“.

„Es ist mein Anliegen, mit dieser kleinen Veranstaltung zu zeigen, wie spannend jenseits aller klinischen Routine die Neurologie und die Neurowissenschaften sind; und gleichzeitig auch, wie wichtig für unser Selbstverständnis als Individuum“, so Dr. Sybille Spieker über den von ihr initiierten Vorlesungsvormittag. „Wir haben namhafte Wissenschaftler als Redner gewinnen können. Dennoch werden die Vorträge allgemeinverständlich sein und hoffentlich eine intensive Diskussion auslösen“, so die Chefärztin. Die Veranstaltung richte sich deshalb auch an interessierte Laien.

Den Eröffnungsvortrag „Brain Computer Interfaces - Science oder Fiction?“ hält um 10 Uhr Prof. Dr. Gabriel Curio (Bernstein Center for Computational Neuroscience der Universitätsmedizin Berlin, Charité). Bereits seit einigen Jahren arbeiten Forschungsgruppen in Europa und den USA an Systemen, die einen direkten Dialog zwischen Mensch und Maschine ermöglichen sollen. Hierzu wird eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Rechner entwickelt, das Brain-Computer Interface (BCI). Man nutzt dazu die elektrische Hirnaktivität in Form des Elektroenzephalogramms (EEG). An der Kopfhaut angebrachte Elektroden messen die hirnelektrischen Signale. Diese werden verstärkt und an den Computer übermittelt, der die Gehirnsignale in technische Steuerungssignale umwandelt. Das Funktionsprinzip des BCI basiert darauf, dass die Hirnaktivität bereits die rein gedankliche Vorstellung eines Verhaltens widerspiegelt, zum Beispiel die Vorstellung, eine Hand oder einen Fuß zu bewegen. Das BCI erkennt die Veränderungen des Hirnstrombildes und nutzt sie etwa zur Auswahl zwischen zwei Alternativen: während eine Option durch die Vorstellung, die linke Hand zu bewegen, ausgewählt wird, müsste man sich für die andere Option eine Bewegung der rechten Hand vorstellen. Auf diese Weise können Geräte gesteuert werden, die an einen Computer angeschlossen sind; selbst über das Internet ist solch eine Kommunikation realisierbar. Prof. Curio nutzt an der Berliner Charité Hirnströme, die er von außen ableitet, um einen Computercursor zu steuern. Solche Systeme könnten in Zukunft gelähmten Patienten helfen, einen Rechner oder auch eine motorisierte Prothese zu steuern.

Mit dem sich anschließenden Vortrag „Gehirn - Geist - freier Wille“ stellt sich Prof. Dr. Gerhard Roth (Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen) den Zuhörern am 5. November in der Bauhausaula vor. Prof. Roth gehört zu den führenden europäischen Hirnforschern. Das Handeln eines Menschen beruht seiner Meinung nach immer auf Motiven. Gerhard Roth vertritt die These, dass das Verhalten der Menschen durch drei Faktoren bestimmt wird: die Gene, die prägenden Erfahrungen in der frühen Kindheit sowie spätere Erlebnisse und Erziehung.

Beim abschließenden Vortrag wird in der Bauhausaula schließlich Prof. Dr. Hans Förstl (Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München) über „Theory of Mind – Ich und die Anderen“ sprechen. Prof. Förstl hat mehr als 20 Bücher zum Thema Psychiatrie, Neurologie und vor allem Demenz herausgebracht. „Theory of Mind“, das Thema seines Referates“, ist die Fähigkeit, andere und ihre Absichten zu verstehen und dadurch das eigene Verhalten vernünftig anzupassen. „Theory of Mind“ wird mittlerweile von Fachleuten als die Grundlage sittlichen Verhaltens beim Menschen überhaupt angesehen Anmeldungen und weitere Informationen zu dieser Veranstaltung sind unter der Telefonnummer 0340 501-1473 oder im Internet unter www.klinikum-dessau.de möglich.